Was ich im heutigen Beitrag schreibe, würde wohl in einigen Ländern schlimme Konsequenzen nach sich ziehen und gilt wohl auch in der Schweiz als Majestätsbeleidigung. Und trotzdem es muss sein!
Köbi Kuhn wird allgemein in der Schweiz heute als sehr erfolgreicher Nati-Trainer angeschaut und es wird jeweils ein Lobeslied auf unseren „Köbi-National“ angestimmt. Doch hat er dies wirklich verdient?
Ja, natürlich werden jetzt die meisten sofort denken, denn schliesslich hat er uns an die EM 2004 (Vorrunde) und an die WM 2006 (Achtelfinale) geführt! Nein, rufe ich zurück, das hat er nicht und will das auch im nachfolgenden Text begründen.
Das erste und gleichwohl schon stärkste Argument liefere ich gleich zu Beginn (weil es mich auch heute, knapp vier Jahre später, noch immer tierisch aufregt und etwas vom Dümmsten ist, was ich je von einem professionellen Trainer gesehen habe: Im WM-Achtelfinale gegen die Ukraine wechselt Köbi Kuhn in der 115. Minute beim Stand von 0:0 Alex Frei aus. Wie wenig intelligent ist es eigentlich, wenn ich fünf Minuten vor einem sehr wahrscheinlichen Elfmeterschiessen ausgerechnet den Mann rausnehme, der die Elfmeter mit nahezu 100-prozentiger Wahrscheinlichkeit in die Maschen haut? Ich kann mich nicht erinnern, dass Frei im Klub oder in der Nati je einen Elfmeter verschossen hat – im Gegenteil er haut sie in der Hölle von der Türkei aber auch in Griechenland hinein, bei Dortmund, bei Basel, einfach überall wo er war, aber nein… im WM-Achtelfinale wechselt Köbi National eben gerade diesen Mann mit Nerven aus Stahl aus… Das Ende kennen wir: Zuerst hält Zuberbühler zwar einen Elfer von Shevchenko, aber danach versagen die Herren Streller (spiel mir das Zungenlied), Cabanas und Barnetta der Reihe nach. Natürlich kann keiner von uns sagen, wie das Elferschiessen mit Frei ausgegangen wäre, und trotzdem: wenn Frei den ersten Elfer versenkt, nachdem Shevchenko gescheitert war, führt die Schweiz im Elferschiessen mit 1:0 und die Wahrscheinlichkeit, dass dieses ein völlig anderes Ende nimmt, wäre zumindest um einiges höher gewesen. Köbi Kuhn begründete übrigens damals den Entscheid Lustrinelli für Frei zu bringen, dass er dachte man könne so noch das 1:0 erzielen… By the way: während dem Spiel nahm er auch Hakan Yakin, den zweiten sicheren Elfmeterschützen, vom Feld.
Ich bin fest davon überzeugt, dass die Schweiz den Sprung an die EM 2004 und die WM 2006 auch mit einem anderen Trainer geschafft hätte, denn dafür war einfach die Qualität des Teams, vor allem aufgrund von nachrückenden jungen Spielern wie Magnin, Cabanas, Frei, später Barnetta, Behrami, Senderos, Djourou etc. zu hoch. Oder böse ausgedrückt, die Schweiz qualifizierte sich für die beiden Endrunden nicht dank Köbi, sondern wegen Köbi.
An der EM 2004 erinnerte die Stimmung im Team eher an ein Ferienlager, als dass dieses Team etwas reissen könnte. Demzufolge schied man auch ambitionslos in der Vorrunde aus. 2006 habe ich oben zur genüge ausgeführt und 2008 sczhaffte es Kuhn nicht, das „Once-in-your-Liftime“-Gefühl auf die Mannschaft zu übertragen, wiederum schied man in der Vorrunde aus.
Auch daneben gab es einige unrühmliche Geschichten: was genau mit Blaise NKufo abging (Rassismusvorwürfe) bleibt bis heute ungeklärt. Dem damaligen Nati-Captain und verdienstvollen Spieler Johann Vogel teilte Köbi National am Telefon ohne Begründung mit, dass er nicht mehr für die Nati aufgeboten wird (notabene an seinem Geburtstag).
Nein, ich glaube nicht an die Saga vom Helden Köbi National…