Das Jahr 2009 war alles andere als einfaches Jahr für GC. Laut Dreijahresplan, welcher im Sommer 2007 aufgestellt worden war, sollte man in dieser Saison um den Meistertitel mitspielen. Doch dieser Plan ist längst im Papierkorb gelandet. Denn die Investorensuche, um diesen Plan auch in die Wirklichkeit umsetzen zu können, gestaltete sich schwieriger, als dass sich das Erich Vogel vorgestellt hatte (nicht zuletzt wegen der weltweiten Wirtschaftskrise).
War dachte, dass man als GC-Fan die Talsohle in den letzten Jahren schon durchschritten hatte, der musste sich vom Jahr 2009 eines besseren Belehren. Der erste grosse Schaden war zweifelsfrei die Posse um die angeblichen 300 Millionen. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass man einen solchen Deal abschliessen darf, auch wenn man weiss, dass das Geld nie fliessen wird, was halt eben nicht passieren darf, ist dass es an die Öffentlichkeit gelangt. Der Spott und Hohn war in diesen Tagen im März gross. Der Imageschaden für GC gross.
Doch GC kam nach dieser Posse nicht zur Ruhe. Denn schon in der kurzen Sommerpause kam es zum nächsten Erdrutsch. Zuerst wurde Latour entlassen und Ciriaco Sforza neu als Trainer installiert. Danach fing das ganze Spielchen mit einem möglichen Investor von vorne an. Wiederum war der Blick extrem gut informiert, was an jedem Tag mit Gaydul läuft. Man könnte fast denken, dass sowohl bei Eckel als auch bei Gaydoul ein GC-Insider mit dem Boulevard-Blatt unter einer Decke steckte. Auch der Gaydoul-Deal, welcher GC ganz kaufen und übernehmen wollte, platzte am Ende. Es liegt die Vermutung nahe, dass Gaydoul möglicherweise gar den Namen des Vereins ändern wollte (also so à la Red Bull Salzburg) und es unter anderem deshalb zu keiner Einigung kam. Gut so!
Danach begann die Meisterschaft. Sforza hatte ein neues, junges Team geformt, welches das jüngste der ganzen Schweizer Liga ist. Sforza fasste im Sommer den klaren Auftrag, attraktiveren Fussball als Latour spielen zu lassen und auch die jungen Spieler stärker und besser zu fördern und sie in die erste Mannschaft zu integrieren. Der Beginn war dann, passend zum sonstigen Umfeld, wenig begeisternd. Aus dem ersten Saisonviertel konnten gerademal 7 Punkte aus 9 Spielen ergattert werden. Wobei die Heimspiele gegen Sion oder Basel durchaus auch schon die Handschrift des attraktiveren und offensiver Fussballs trugen. Doch diesem offensiveren Fussball zollte die Mannschaft in dieser Phase vor allem tribut. Denn darunter litt die defensive Stabilität. Man kassierte einige sehr, sehr dumme Tore aus Kontern, weil die Balance zwischen Offensive und Defensive noch nicht stimmte.
Dann folgte die nächste Hiobsbotschaft neben dem Platz: GC hat deutlich mehr Schulden, als angenommen. Das jährliche Defizit beäuft sich nicht auf die budgetierten 5 Mio. CHF sondern auf ca. 10 Mio. Bis Ende November musste der Klub diese zusätzlichen 5 Mio. Schulden abbauen, ansonsten hätte die Deponierung der Bilanz gedroht und der Zwangsabstieg in die 1. Liga. Dank Lohnkürzungen, Verzicht und Spenden konnte das zusätzliche Loch gestopft werden. Ein erstes positives Signal im Jahre 2009.
Gleichzeitig sorgten vier Nachwuchskicker von GC in Nigeria bei der U-17 WM für Furore. Nassim Ben Khalifa, Haris Seferovic, Charyl Chappuis und Raphael Spiegel. Drei von ihnen waren dabei Schlüsselspieler. Chapuis war in der Abwehr als Innenverteidiger der Fels in der Brandung, Ben Khalifa schoss vier teils sehr wichtige Tore und gab daneben noch vier Assists und Haris Seferovic schoss fünf Tore, darunter den entscheidenden Treffer zum WM-Titel. Es war balsam auf die vielgescholtene GC-Seele.
Auch sportlich lief es im zweiten Viertel einiges besser. Mit 19 Punkten aus 9 Spielen, kann man sehr zufrieden sein. Würde man über vier Viertel 19 Punkte holen, dann würde man wohl Meister werden. Enttäuschend war lediglich das Cup-out in Lugano und der schwache Auftritt in St. Gallen. Ansonsten zeigte sich das Team von Sforza stark verbessert und zeigte desöfteren ganz ansehnlichen Fussball, der jetzt auch erfolgreich war. Das Tüpfelchen auf das i, war dann noch der 101. Derbysieg gegen den anderen Klub aus Zürich-Altstetten und die Rückkehr auf den Thron von Zürch, den man zwar eigentlich sowieso immer inne hatte, aber der zumindest kurzfristig auf die andere Seite verliehen wurde.
Der eingeschlagene Weg und die neuerliche Neuausrichtung stimmen einen momentan ganz zuversichtlich, was die Zukunft von GC angeht. Es bleibt zu hoffen, dass man diesmal den Weg konsequent geht. GC hat einige Talente in der Pipeline. Natürlich bruacht es immer ein paar gestandene Spieler, die den ganzen Laden zusammenhalten, aber daneben soll nun wirklich der Weg mit den jungen Talenten forciert werden.
Dank geht auch an die 4′000 treuen GC-Fans, welche all die Demütigungen und Rückschlage mitmachen. Es ist einfach im Erfolgsfall Fan eines Vereins zu sein. Die wahre Grösse zeigt sich erst in der Niederlage. Jeder einzelne kann stolz auf sich sein! Ich stehe lieber mit 3′999 echten Hoppers im Stadion (wobei dies lieber der Hardturm wäre), als mit seit drei Jahren riesen FC-Fans oder mit SCB-Fans im Wankdorfstadion.
In diesem Sinne: Wiiterkämpfe! Für eusi Liäbi, für GC Züri!