Die Ära Krüger ist beendet
Februar 25th, 2010 von
admin
Gestern Abend nach mitteleuropäischer Zeit ging mit der 0:2 Viertefinalniederlage gegen die USA eine lange Ära im Schweizer Eishockey zu Ende. Ralph Krüger war seit 1997 Schweizer Eishockey Nationaltrainer.
Als Krüger 1997 die Nationalmannschaft übernahm, war diese eine klassische Fahrstuhlmannschaft. Sie pendelte zwischen A-WM und B-WM. Nationaltrainer waren eigentlich kaum länger als zwei Jahre im Amt. Krüger setzte bereits 1998 bei der A-WM im eigenen Land ein erstes Ausrufezeichen. Die Krügerboys drangen bis ins Halbfinale vor und belegten am Ende den vierten Schlussrang.
Unvergessen ist auch das legendäre Motivations-SMS, welches Ralph Krüger den Spielern vor dem alles entscheidenden Vorrundenspiel gegen Russland an dessen Heim-WM im Jahre 2000 sendete: “Glaube an das Unmögliche und das Unmögliche wird möglich.” Die Schweiz gewann anschliessend völlig überraschend gegen die mit NHL-Superstars gespickte Mannschaft aus Russland mit 3:2 und schaffte die Sensation.
Gegenwind, welcher wohl letztlich auch dazu führte, dass Gaydoul, der neue Verbandspräsident, den Vertrag mit Krüger nicht mehr verlängerte, spürte Krüger erstmals an und nach Olympia 2002 in Salt Lake City. Reto von Arx und Marcel Jenni spülten damals den Frust in einer Bar mit dem einen oder anderen Bierchen mehr herunter. Für Krüger, welcher das Team über alles stellt, war dies ein unüberwindbarer Vertrauensmissbrauch. Er nominierte fortan die beiden Spieler nicht mehr für die Nationalmannschaft. Eine Massnahme, welche ihn zunehmend mehr in die Bredouille brachte, denn gerade Reto von Arx demonstrierte in den letzten 10 Jahren mehrmals in seinem Klub Davos, dass er ein absoluter Führungsspieler mit internationalem Niveau ist.
In der Folge blieben an WMs weitere Exploits weitgehend aus. Die Schweiz hatte zwar nie mehr etwas mit dem Abstieg zu tun und etablierte sich in der vergrösserten Weltspitze auf Rang 7 bis 8. Doch die Lücke zu den sechs absoluten Top-Nationen: Finnland, Kanada, Russland, Schweden, Tschechien und den USA konnte nicht verkleinert werden.
Zum grossen Exploits kam es nur noch einmal: Olympia 2006. Da siegte die Schweiz gegen die NHL-Mannschaft von Kanada mit 2:0. Martin Gerber zeigte eine unglaubliche Leistung im Tor und gleichzeitig traf man vorne aus gefühlten 1.5 Chancen zweimal.
Eine Enttäuschung war dagegen die Heim-WM 2009 und wohl der Genickbruch für Krüger. Krüger, welcher auf mehrere Schweizer Top-Scorer verzichtete, scheiterte diesmal gar noch vor den Viertelfinals. Dieses Scheitern liess die Stimmung in der Eishockey-Schweiz kippen.
Olympia 2010 war nochmals ein versöhnlicher Abschluss, welcher aber exemplarisch der Stillstand im Schweizer Eishockey aufzeigt: Die grossen Teams weiss man mit seinem System und dank Weltklasse-Torhüter zu ärgern und ins Wanken zu bringen. Gleichzeitig hat man aber grosse Mühe, wenn man gegen Teams wie Norwegen oder auch Weissrussland selbst zum Favoriten wird.
Nur wird diese Betrachtungsweise der Stagnation der Sache überhaupt gerecht? Muss man nicht festhalten, dass es wohl nunmal so ist, dass ein Land mit 8 Millionen Einwohnern nicht langfristig die Dominanz der Top-Six aufbrechen kann? Dass gelegentliche Highlights und sonst solide Leistungen, die zur Sicherung des 7 Rangs beitrugen, das höchste Schweizer Eishockeygefühle ist?
Die nächsten Jahre werden auf diese Frage weitere Antworten liefern. Denn mit Sean Simpson tritt der Coach das Erbe Krügers an, welcher letztes Jahr mit den ZSC Lions für ein kleines Eishockeywunder sorgte, als er die Eishockey Champions League gewann.
Die Messlatte ist trotzdem hoch und ob sich einige nicht schon bald bei Krüger entschuldigen müssen, weil es eben nicht so einfach ist diese Konstanz zu bringen.
Good bye, Ralph Krüger!
Geschrieben in diverse Sportarten |
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