Olympia und die Wissenschaft
März 1st, 2010 von
admin
So liebe Bloggleser, für einmal wird es wissenschaftlich in meinem Beitrag:
Mit dem 3:2 Sieg der Ahornblätter aus Kanada über die USA im Eishockeyfinal ist die letzte Entscheidung in Vancouver 2010 gefallen. Jeder Sportbegeisterte eines Landes schaut am Schluss auf den Medaillenspiegel und schaut, wie gut denn nun sein Land abgschnitten hat und welche Nationen viele Medaillen gewonnen haben. (Interessantes Detail dazu: Der Medaillenspiegel ist vom Olympischen Komitte offiziell nicht anerkannt. Da es sich laut den Olympischen Grundsätzen ausdrücklich um Wettkämpfe unter Athleten handelt und nicht zwischen Nationen, wird der Medaillenspiegel vom Olympischen Komitee eben nicht anerkannt.
Verschiedene Wissenschaftler haben in der Vergangenheit (und werden es wohl auch in der Zukunft tun) wissenschaftliche Studien und Paper zum Thema Olympia durchgeführt und geschrieben.
Rathke / Woitek haben in ihrer Arbeit unter anderem etwas nachgewiesen, was augenscheinlich wohl auch wieder an diesen Spielen eingetreten ist: Der Heimvorteil des Gastgeberlandes. In Turin 2006 holte Kanada zwar im Total auch 24 Medaillen (7 Gold / 10 Silber / 7 Bronze). Doch in Vancouver teilen sich die 26 Medaillen etwas anders auf: 14 Gold, 7 Silber und 5 Bronze. Die Goldausbeute wurde also verdoppelt. Rathke / Woitek erklären sich den Heimvorteil vor allem dadurch, dass das Gastgeberland, nach der Bekanntgabe des Austragungsortes (was ja 8 Jahre vor dem Event ist), zusätzliche Resourcen und Investition tätigt um die Sportler optimal zu fördern und auf die Spiele im eigenen Land vorzubereiten.
Im Weiteren weisen die beiden Autoren nach, dass es Länder gibt, die sich auf gewisse Sportarten spezialisieren und das neben Einwohnerzahl, Grösse des Landes und Bruttosozialprodukt vor allem auch der Produktionsumwandlungsprozess von Inputfaktoren in Olympische Medaillen (also gewissermassen das Know-how) von entscheidender Bedeutung sind.
Vor diesen Olympischen Spielen machte ein Professor von sich reden, der glaubt mit seinem Modell den Medaillenspiegel vorhersagen zu können: Daniel K. N. Johnson. Sein Medaillenvorhersage-Modell, welches er in seinem Paper 2004 veröffentlichte, beruht nicht auf den Fähigkeiten der Athleten der einzelnen Disziplinen, sondern auf verschiedenen Variablen: BSP, Population, Heimvorteil, Nähe zum Gastgeberland und weitere. Laut seiner Hompage ist die Korrelation zwischen seinem Vorhersage-Modell und dem tatsächlichen Medaillenspiegel bei den letzten fünf Olympischen Spielen (Sommer und Winter gezählt) jeweils zwischen 0.93 und 0.95.
Nun wie hat er sich diesmal geschlagen? Hier findet man seine Medaillenvorhersagen für Vancouver 2010. Das hier ist der tatsächliche Medaillenspiegel 2010. Kanada sagte er 27 Medaillen voraus, geholt haben sie 26. Allerdings ging er nur von 5 Goldmedaillen aus (tatsächlich: 14).
Vor allem bei Deutschland und den USA lag er diesmal schon ziemlich deutlich daneben, trotzdem interessant ist es allemal!
Geschrieben in diverse Sportarten |
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