Es wird eng in Rappi-Jona…

März 5th, 2010 von admin

Die Rapperswil-Jona Lakers befinden sich in einer ganz schwierigen Situation und erstmals seit der Aufstiegssaison 94/95 ist ein Abstieg in die NLB (oder dann gleich in die 1. Liga) nicht ganz so unrealistisch. Doch wie konnte es soweit kommen?

Fragt man bei den Verantwortlichen des Klubs nach (Bruno Hug und Reto Klaus) dann klingt das Ganze lapidar und einfach: Pech bei der Trainerwahl, viele Verletzte und ein kleiner Fisch in der NLA. So lässt sich grob zusammengefasst die Statements von ihnen wiedergeben.

Doch die Gründe für das erneute Verpassen der Playoffs sind tiefgründiger und komplexer:

1. Fehlende sportliche Strategie

Natürlich ist es so, dass Rapperswil-Jona von Haus aus kein Grossklub ist und in einem Umfeld ist, wo auch andere Vereine (Davos, Zug, ZSC und Kloten) Fans zu Hause haben. Doch die Führung selbst war es ja, die damals im Zuge der Playoff-Halbfinal-Qualifikation und des neuen Stadions grossmundig vom Angriff nach ganz vorne sprachen und so (aus heutiger Sicht) falsche Erwartungen bei den Fans und Stadionbesuchern schürten.

Zur Mitte des abgelaufenen Jahrzehnts war man sowohl wirtschaftlich als auch sportlich sehr gut aufgestellt. Wirtschaftlich konnte dank Stadionumbau und Lakers-Marketing die Einnahmen deutlich erhöht werden und sportlich kratze man tatsächlich an den Top-4 der Liga (Bern, ZSC, Lugano und Davos). Man war Klubs wie Zug, Kloten, Fribourg oder Servette Genf jedenfalls voraus oder auf Augenhöhe.

Doch leider ist es, wie so oft, dass man im Zuge des Erfolges stehenbleibt und falsche Entscheidungen trifft. So hat man das neue Geld, was man gewinnen konnte, völlig falsch investiert. Anstatt ein alterndes Team step-by-step umzurüsten, wurden Jahr für Jahr Altstars, welche ihre besten Tage hinter sich haben, mit langfristigen Verträgen an den Obersee gelockt. Wenige bis keine Klubs hätten einem Schrepfer oder jetzt auch einem Paterlini im Alter von 33 Jahren einen 3-Jahresvertrag offeriert. Mit diesem Geld hätte man in junge Talente investieren sollen. Denn das führt uns zum nächsten grossen Versäumnis: Nachwuchsarbeit. Kloten hat es kapiert, andere auch. Ein Verein, der nicht das Portemonnaie von Lugano oder Bern hat, muss sich von seinen Konkurrenten dahingehend abheben, dass er durch Nachwuchsarbeit sich selbst Jahr für Jahr mit 1-3 jungen Talenten füttert, welche in die erste Mannschaft integriert werden und nach 1-3 Jahren zu gestandenen Profis reifen. Auch hier liegt vieles im Argen. Die Nachwuchsteams stehen praktisch ausnahmslos am Schwanz der jeweiligen Nachwuchsligen und U-Nationalspieler gibt es ebenfalls praktisch keine.

2. dauernde Trainerwechsel

Wenn man den Trainer einmal während der Saison wechselt, dann kann man von Pech bei der Trainerwahl sprechen. Wenn man ihn aber während dreier Saisons im halbjahres Rythmus wechselt, dann kann man dann irgendwann nicht mehr von Pech sprechen, sondern muss die Leute hinterfragen, welche den Trainer aussuchen oder ob das Team überhaupt so zusammengestellt ist, dass überhaupt irgendein Trainer mit dieser Mannschaft erfolgreich arbeiten kann. Immer wieder hört man aus dem Umfeld, dass absichtlich gegen diverse Trainer gespielt wurde, um so dessen Entlassung zu provozieren. Vielleicht wäre es mal an der Zeit, anstatt die Spieler zu schützen, mal den Trainer zu schützen und den ein oder anderen Spieler, so gross seine Verdienste in der Vergangenheit gewesen sein mögen, rauszuschmeissen.

3. Fehlende Leader

So liesst sich dann eben auch das Kader der Lakers als ein zusammengewürfelter Haufen von überbezahlten Altstars, talentfreien Jungen und einem Haufen Mitläufer. Es gibt wenige, bis gar keine Leader in diesem Team. Kombiniert mit den vielen Verletzten, kann es durchaus sehr düster werden in diesen Playouts.

Hoffnung Zukunft

Mit Christian Weber wurde nun ein Trainer verpflichtet, der dafür steht, dass in Zukunft einiges anders werden soll: anderes Spiel (Tempoeishockey), jüngeres Team etc. Erste Schritte wurden dabei auch schon bezüglich Kader unternommen. Die bange Frage die bleibt, kommt das alles nicht zu spät und man spielt nächste Saison in der NLB oder eben 1. Liga?

Es bleibt zu hoffen, dass einige Verletzte noch zurückkehren auf die Playouts und dass man dort bald einmal den Ligaerhalt sichern kann, denn ansonsten könnte es sehr ungemütlich werden. Wer will schon gegen hochmotivierte Lausanner und in deren Heimhexenkessel spielen?

Geschrieben in SCRJ Lakers, diverse Sportarten | 2 Kommentare »

2 Kommentare

  1. wo kann ich Sagt:

    “Ein Verein, der nicht das Portemonnaie von Lugano oder Bern hat, muss sich von seinen Konkurrenten dahingehend abheben, dass er…” – was meinst du damit?

  2. admin Sagt:

    Ganz einfach: Genauso wie in der herkömmlichen Wirtschaft, muss auch in der Sportwirtschaft jeder Verein seine Position im Markt finden und diese Positionierung dann konsequent auch im täglichen Handeln umsetzen. Rappi-Jona wird nunmal nie die ganz dicken Fische zu sich holen können. Diese teilen sich in aller Regel der SCB, ZSC und Lugano auf. Stattdessen sollte sich ein Verein wie Rappi-Jona überlegen, wo kann ich die Konkurrenz ausstechen? Wie könnte ich attraktiv für Spieler sein. Nach kurzem Überlegen kommt man dann eigentlich nur zum Schluss, dass sich so ein Verein dahingehend positionieren sollte, als dass er sich das Image eines Nachwuchsclubs aufbauen kann, der konsequent auf junge Talente setzt. Natürlich braucht es immer auch ein paar gestandene Spieler, doch daneben sollte anstatt auf alte Säcke konsequent auf junge, talentierte Spieler gesetzt werden. Hat man sich erstmal dieses Image erarbeitet, werden in Zukunft immer häufiger grosse Talente zu diesem Verein wechseln, weil sie wissen, dass sie dort optimal gefördert werden und dass man auf sie setzt.

    Momentan übrigens könnte sich sowas bei GC entwickeln.

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